Quick-Stop Rettungsmanöver: Das schnellste Verfahren im MOB-Fall

In einer „Mensch-über-Bord“-Situation (MOB) ist Zeit der kritische Faktor. Laut Untersuchungen der United States Yacht Racing Union (USYRU) hat sich das Quick-Stop-Manöver als das schnellste und sicherste Rettungsverfahren erwiesen.Das Prinzip dieses Segelmanövers besteht darin, unmittelbar nach dem Vorfall anzuluven und ohne Veränderung der Segelstellung einen engen Vollkreis zu fahren. Ein charakteristisches Merkmal ist das backstehende Vorsegel, welches aktiv zur Geschwindigkeitsreduktion und Kursänderung genutzt wird.

Vorteile und Einsatzgebiete

  • Einsatzgebiet: Besonders effektiv bei Am-Wind- und Halbwind-Kursen, da die Großschot hier bereits dichtgeholt ist.
  • Sichtkontakt: Da das Schiff in unmittelbarer Nähe der Person bleibt, ist das Manöver ideal bei schlechter Sicht oder schwerem Seegang.
  • Crew-Stärke: Aufgrund der minimalen Schotarbeit ist es hervorragend für kleine Crews geeignet.

Ablauf des Quick-Stop-Manövers: Schritt für Schritt

  1. Sofortige Wende: Unmittelbar nach dem Ruf „Mensch über Bord!“ wird das Schiff hart angeluvt und eine Wende eingeleitet.
  2. Vorsegel back stehen lassen: Die Schoten des Vorsegels werden nicht angerührt. Das Segel steht nach der Wende back. Dies nimmt sofort Fahrt aus dem Schiff und unterstützt das schnelle Drehen in den Gegenkurs.
  3. Abfallen mit dichtem Groß: Das Großsegel bleibt dichtgeholt. Auf dem nun folgenden Kurs wird abgefallen, wobei das dichte Groß und die backstehende Fock die Geschwindigkeit drosseln und ein kontrolliertes Manövrieren auf engstem Raum ermöglichen.
  4. Halse und anluven: Es wird eine Halse gefahren – auch hier bleibt das Großsegel dicht, um die Belastung auf das Rigg gering zu halten. Danach wird das Schiff kontrolliert auf einen Am-Wind-Kurs angeluvt.
  5. Ansteuerung und Bergung: Die finale Annäherung erfolgt beinahe im Aufschießer. Die Segel werden nun leicht gefiert, um das Boot punktgenau und mit minimaler Restfahrt neben dem Überbordgegangenen zum Stehen zu bringen.
Mann über Bord Quickstop Manöver

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Minimale Distanz: Das Boot entfernt sich kaum von der Unfallstelle.
  • Schnelligkeit: Es ist zeiteffizient, da kein langer Vorbereitungskurs nötig ist.
  • Einhand-Tauglichkeit: Da die Vorschoten belegt bleiben, kann ein erfahrener Skipper das Manöver nahezu allein bewältigen.

Nachteile:

  • Materialbelastung: Das backstehende Vorsegel und das dichte Groß bei der Halse bedeuten Stress für das Rigg.
  • Eingeschränkte Kurswahl: Das Manöver setzt voraus, dass das Großsegel bereits relativ dicht geführt wurde (Am-Wind bis Halbwind).

Fazit

Das Quick-Stop-Manöver ist die erste Wahl, wenn es darum geht, den Sichtkontakt nicht zu verlieren und die Rettung innerhalb kürzester Zeit abzuschließen. Es erfordert jedoch, dass die Crew mit dem Verhalten des Bootes bei backstehender Fock vertraut ist. Regelmäßiges Training ist essenziell, um im Ernstfall punktgenau manövrieren zu können.
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Über CleverSkipper

Das Spiel CleverSkipper ist aus der 'Not' heraus entstanden, dass Gäste an Bord immer nur möglichst rasch ablegen wollten und Sicherheitseinweisungen wenig Gehör schenkten.
Mit CleverSkipper ist der Start in einen Törn nun einfacher, lustiger und vor allem noch sicherer. Als Skipper mit über 20.000 Seemeilen Erfahrung habe ich – gemeinsam mit Profi-Kollegen – ein Spiel entwickelt, das den Start in den Törn lustiger, schöner und noch sicherer macht. Schluss mit trockener Theorie, her mit dem Spaß am Törnstart!
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